Steinplatz Berlin – Rückblick 2020

In Kooperation mit anliegenden und weiteren Institutionen organisiert das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf seit 2019 in der Freiluftsaison monatlich eine öffentliche Veranstaltung auf dem Steinplatz, die sich mit Bühnenprogramm, Informationsständen, Diskussionsrunden und/oder Ausstellungen einem gesellschaftspolitisch relevanten Zukunftsthema widmet und den Institutionen Gelegenheit bietet, sich zu präsentieren.

Auftakt zu thematischen Stadtspaziergängen rund um den Steinplatz

Am letzten August-Wochenende fand der Auftakt zu einer vom Bezirk organisierten Reihe von kostenlosen Führungen statt, in denen das Steinplatz-Quartier mit seiner geschichtsträchtigen Kultur-, Bildungs- und Erinnerungslandschaft nach und nach erschlossen werden soll. In der ersten Ausgabe mit dem Titel „Reformer, Rassisten, Revolutionäre – Politik um den Steinplatz“ nahm Stadthistoriker Michael Bienert die insgesamt rund 40 Teilnehmer*innen mit auf einen Rundgang durch 200 Jahre politischer Konflikte.

Dabei spannte Bienert den Bogen von den preußischen Reformpolitikern Freiherr vom Stein und Fürst von Hardenberg – Namensgeber für den Platz und die anliegende Straße – bis zu aktuellen Urteilen des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg in Zeiten der Pandemie. Mittendrin u. a.: Geschichtspolitik am Beispiel der Gedenksteine für die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus; politische Künstler an der heutigen Universität der Künste, von Käthe Kollwitz bis Ai Weiwei; das Wohnhaus des früheren Berliner Polizeivizepräsidenten Bernhard Weiß, Widersacher von Joseph Goebbels; die Filmbühne am Steinplatz als Treffpunkt der 68er-Bewegung; der Suizid des türkischen politischen Flüchtlings Cemal Kemal Altun; und die Antwort auf die Frage, was das vornehme Hotel am Steinplatz mit langen Kreuzberger Nächten zu tun hat.

Eine weitere Ausgabe dieses Rundgangs findet am 6. September statt. Im Oktober wird ein literarischer Spaziergang Adressen von Schriftsteller*innen und Theaterleuten streifen, die im Neuen Westen gelebt und gearbeitet haben (Voranmeldung hier). Ergänzt werden beide ab Frühjahr 2021 um thematische Spaziergänge zu Wissenschaft, Bildender Kunst und Musik.

Food Art Week 2020

21. August 2020

Open-Air-Installation „Saatgut und Biodiversität“ im Rahmen der Food Art Week 2020

 

Die Samen unserer Kulturpflanzen sind Quelle fast allen Lebens. Doch ihre ursprüngliche Vielfalt ist bedroht: Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Im Auftrag der Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung (SBNE) des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf thematisierte eine Kunstinstallation auf dem Steinplatz während des Monats August den Schutz von Saatgut und Biodiversität. Einen Tag lang fanden zudem Workshops für Schüler*innen zu den Themen Saatgut, Essen und Wertschätzung von Lebensmitteln statt.

 

Die Kunstinstallation von Tainá Guedes, Gründerin der Food Art Week, und Künstler Uli Westphal widmete sich verschiedenen Antworten auf die Frage, wie Sortenvielfalt erhalten werden kann. Regionale Saatgut-Gewinnung und die Unterstützung von Kleinbäuer*innen zählen dazu ebenso wie Nachbarschafts-Saatgutbanken und Tauschmärkte oder Balkon- und Stadtgärten. Die überlebensgroße Darstellung von Samen lud Passant*innen ein, sie ihnen bekannten Früchten zuzuordnen (mehr dazu auf der SBNE-Webseite).

 

Am 21. August hatten rund 100 Schüler*innen der nahegelegenen Friedensburg-Oberschule in insgesamt vier Workshops Gelegenheit, sich dem Thema u. a. auf spielerische Art zu nähern, z. B. mit selbstgebastelten Masken aus Bohnen. Am Beispiel eines Bokashi-Eimers (bokashi = japanisch für Allerlei) wurde gezeigt, wie man im Haushalt selbst einen Beitrag leisten, d. h. Abfälle kompostieren und damit wieder in einen gesunden Kreislauf bringen kann. Darüber hinaus lernten die Schüler*innen, wie sie zu Hause aus Obst und Gemüse Saatgut entnehmen und daraus neue Pflanzen kultivieren können.

 

Bereits am 7. August war in der Filmreihe #2030 der SBNE im delphi LUX der Film „Seed –The Untold Story“ gezeigt worden, der den Einsatz passionierter Bäuer*innen, Wissenschaftler*innen, Anwält*innen und indigener Saatgutbesitzer*innen für die Zukunft der Sortenvielfalt dokumentiert.

 

Eine Veranstaltung von Tainá Guedes und Uli Westphal in Kooperation mit der SBNE/Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

 

Gefördert von der SBNE und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung

1. Anrainer-Netzwerktreffen zum Steinplatz-Quartier

13. August 2020

Am 13. August 2020 wurde in einem ersten Netzwerktreffen im Hotel am Steinplatz das EU-geförderte Projekt des Bezirks vorgestellt, das zum Zweck der Standortprofilierung auf eine Netzwerkbildung der Anrainer*innen und die regelmäßige Durchführung von Veranstaltungen auf dem Steinplatz abzielt. Mit dabei: Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger, UdK-Präsident Prof. Dr. Norbert Palz, Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City, und viele andere. Gemeinsam diskutiert wurde u. a., wie kontinuierliche Elemente und wiederkehrende Formate die Aufenthaltsqualität und Attraktivität des Platzes für die Anrainer*innen wie auch die allgemeine Öffentlichkeit steigern können.

 

Ziel ist dabei nicht nur eine stärkere Frequentierung des Platzes – etwa durch einen regionalen Wochenmarkt, Pausenangebote für Studierende und Angestellte oder öffentliche Theaterproben und Filmvorführungen. Beabsichtigt ist auch eine thematische Schwerpunktsetzung, die sowohl den Aktivitäten der Anrainer*innen als auch den Prioritäten des Bezirks z. B. in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen gerecht wird, wie sie von der bezirklichen Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung bearbeitet werden (u. a. in Kooperation mit dem delphi LUX oder der Berliner Landeszentrale für politische Bildung). Dies könnte dazu beitragen, dem Steinplatz auch stadtweit eine eigene Identität zu verleihen. In diesem Kontext soll das Netzwerk den Anrainer*innen nicht zuletzt die Möglichkeit geben, ihre Vorhaben – wo thematisch sinnvoll – zeitlich aufeinander abzustimmen und Synergiepotenziale zu nutzen.

 

Schruoffeneger: „Mit dem Projekt möchten wir als Bezirksamt die Vielzahl an Einrichtungen und Gewerbetreibenden im Quartier rund um den Steinplatz dazu animieren, sich gegenseitig zu vernetzen und den Steinplatz als öffentlichkeitswirksame Bühne für ihre Aktivitäten zu nutzen – um ihn zu einer Marke mit Wiedererkennungswert werden zu lassen, von der am Ende alle profitieren.“ Helfen soll auch eine bauliche Aufwertung des Yva-Bogens als Eingangstor zum Quartier, für die der Bezirk ebenfalls Fördermittel beantragt hat. Neben der Umsetzung eines Beleuchtungskonzepts in der Passage ist insbesondere die Installation eines z. T. digitalen Informationssystems an der Fassade des Bahnviadukts vorgesehen, das zu aktuellen Veranstaltungen und Angeboten im Areal informiert.

 

Das erste Netzwerktreffen zählte insgesamt über 30 Teilnehmer*innen, darunter von AG City, Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Berlinovo Immobilien, Buchhandlung SCHROPP, C/O Berlin, Galerie ROOT, Hotel am Steinplatz, IHK Berlin, Renaissance-Theater Berlin, SIGNA Real Estate Management, TU Berlin, Vaganten Bühne, Waldorf Astoria Berlin, WerkStadtForum, Yorck Kinogruppe, Zentrum am Zoo. Das nächste Treffen ist für Anfang November 2020 geplant.