Steinplatz Berlin – Historie

Der 1885 angelegte und nach dem preußischen Reformer Freiherr vom Stein benannte Platz steht exemplarisch dafür, wie ein von der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägter Ort zu einem Forum für aktuelle Zukunftsfragen werden kann, das beispielhaft für eine offene und lebendige Gesellschaft steht.

 

Der Platz erinnert mit seinen Gedenksteinen für die Opfer des Stalinismus (1951) und des Nationalsozialismus (1953) – gefügt aus Steinen der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße und frühestes West-Berliner Denkmal für NS-Opfer – nicht nur an die totalitären Regime des letzten Jahrhunderts. 2018 gelang es der Kunstinstallation „Steinplatz reloaded“ von Stefka Ammon und Katharina Lottner zudem, historische Momente des Platzes festzuhalten und für Passanten erlebbar zu machen, darunter

 

  • die Nutzung der Universität der Künste am Steinplatz, damals noch „Königliche Hochschule“, als Reservelazarett während des 1. Weltkriegs;
  • den „Mördermord“ an Talât Pasha neben seinem Wohnhaus am Steinplatz 1921 durch den Armenier Soghomon Tehlirian: als Innenminister des Osmanischen Reiches hatte Pasha 1915 die Verhaftung armenischer Intellektueller in Istanbul angeordnet, was den Völkermord an der armenischen Bevölkerung einleitete;
  • die frühere Bronzestatue der Flora auf dem Steinplatz, deren Schöpfer Fritz Klimsch 1921 Professor für Bildhauerei an der Hochschule wurde – und 1955 als NS-Belasteter aus der neugegründeten Akademie der Künste ausgeschlossen wurde;
  • Bernhard Weiß, Jurist und Berliner Polizeivizepräsident 1927-1932: als Jude und Demokrat verfolgt, musste er nach der Erstürmung seiner Wohnung am Steinplatz durch die SA über Prag ins Londoner Exil fliehen und starb 1951 kurz vor Wiedererlangung der ihm von den Nationalsozialisten aberkannten deutschen Staatsbürgerschaft in London;
  • die Bildhauerin und Grafikerin Renée Sintenis, die 1931 als eine der ersten Frauen an die Akademie der Künste am Steinplatz berufen wurde – und nach ihrem Ausschluss durch das NS-Regime wegen ihrer jüdischen Herkunft 1948 an die Hochschule für Bildende Künste zurückkehrte und 1955 zur Professorin ernannt wurde;
  • den Marshallplan nach dem 2. Weltkrieg, aus dem das Hoechst-Haus am Steinplatz finanziert wurde;
  • die erste Begegnung von Studentenführer Rudi Dutschke mit seiner späteren Ehefrau Gretchen Klotz 1964 im Café Steinplatz, 1968 ein Zentrum der Studentenbewegung.

 

2018 erfolgte durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eine bauliche Umgestaltung des Platzes, mit der eine Öffnung gegenüber den Anrainern und in den Stadtraum gelang. Die so geschaffene Möglichkeit von Veranstaltungen und Aktionen, die es allen Bürger*innen erlauben, sich über gesellschaftliche Zukunftsthemen und Aktivitäten und Angebote der Anrainer zu informieren, machen den Steinplatz heute zu einem Erlebnisort für das Quartier und darüber hinaus.

Der Steinplatz vor 2018

Der Steinplatz auf der Website des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf Berlin:

https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/freiflaechen/plaetze/artikel.156662.php