Stadtspaziergänge - Rund um den Steinplatz

Politik, Wissenschaft, Bildende Kunst, Literatur, Musik und Theater prägen den Steinplatz und seine Umgebung seit rund 150 Jahren. Er ist Mittelpunkt einer lebendigen Kultur-, Bildungs- und Erinnerungslandschaft, die ab August 2020 kontinuierlich auf Stadtspaziergängen vorgestellt und lesbar gemacht wird. Den Auftakt bildet eine Erkundung zu politischen Konflikten rund um den Steinplatz und dem Gedenken daran. Ein literarischer Spaziergang streift Adressen von Schriftsteller*innen und Theaterleuten, die im Neuen Westen gelebt und gearbeitet haben. Ab Frühjahr 2021 werden diese Angebote wieder aufgenommen und um thematische Spaziergänge zu Wissenschaft, Bildender Kunst und Musik erweitert. Unter Corona-Bedingungen finden diese Rundgänge vorerst in Kleingruppen mit maximal 15 Personen statt.

Teilnahme kostenlos, Spende erbeten. Voranmeldung mit Hinterlegung von Kontaktdaten erforderlich.

Reformer, Rassisten, Revolutionäre – Politik um den Steinplatz

  • Sonntag, 06.09.2020, 14 Uhr 
  • Sonntag, 08.11.2020, 11 Uhr (Zusatztermin)

Quelle: Archiv Bienert

Stadtführung mit Michael Bienert (Text der Stadt) und Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Steinplatz und Hardenbergstraße tragen die Namen preußischer Reformpolitiker. In der Weimarer Republik wohnte hier Polizeivizepräsident Bernhard Weiss, der gegen den aufkommenden Rechtsradikalismus kämpfte und zur Zielscheibe antisemitischer Propaganda wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden am Steinplatz erste Denkmäler für Opfer des Holocaust und des Stalinismus. Die Hochschule der Künste war in den Nachkriegsjahren Schauplatz heftiger Ost-West-Konflikte. Im Café Steinplatz verliebte sich Rudi Dutschke, die Studentenbewegung machte das Amerika-Haus zum Ziel von Demonstrationen gegen neokoloniale Politik. Vor der Landeszentrale für politische Bildung erinnert ein Denkmal an den Asylbewerber Kemal Altun, der sich 1983 im Verwaltungsgericht das Leben nahm, um nicht an das türkische Militärregime ausgeliefert zu werden. Am Zoologischen Garten stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit der deutschen Hauptstadt. Ein Spaziergang durch 200 Jahre politischer Konflikte.

„Wagt`s doch, Kultur zu haben!“ – Weltliteratur und Theater um den Steinplatz

  • Sonntag, 04.10.2020, 14 Uhr
  • Sonntag, 25.10.2020, 14 Uhr
  • Sonntag, 08.11.2020, 14 Uhr (Zusatztermin)

    Quelle: Archiv Bienert

Stadtführung mit Michael Bienert (Text der Stadt) und Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Der Plan, einen Bronzeelefanten zu Ehren des Freiherrn von Stein aufzustellen, inspirierte Christian Morgenstern zu seinem Gedicht „Vom Stein-Platz zu Charlottenburg“. Die Gegend gehörte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zum „Industriegebiet der Intelligenz“ um den Kurfürstendamm und war ein beliebter Wohnort von Intellektuellen. So flohen Bertolt Brecht und Helene Weigel 1933 vom „Knie“, dem heutigen Ernst-Reuter-Platz, ins Exil. Das zeitweise von Ferdinand Bruckner geleitete Renaissance-Theater sorgte mit moderner Dramatik für Aufsehen, im selben Haus hatte in der NS-Zeit aber auch die Reichsschrifttumskammer ihren Sitz. Nach dem Krieg machte Walter Höllerer als Literaturprofessor an der TU Berlin den Steinplatz erneut zum Treffpunkt zeitgenössischer Autor*innen aus dem In- und Ausland. Der Buchhändlerkeller, legendäre Kneipen wie die „Dicke Wirtin“ und der „Zwiebelfisch“, Buchhandlungen, Antiquariate und das Schiller-Theater halten die Tradition lebendig.

Michael Bienert und Ralph Hoppe leiten seit 30 Jahren thematische Stadtspaziergänge und haben zahlreiche Bücher zur Literatur-, Kultur- und Stadtgeschichte Berlins publiziert.

Mehr unter www.text-der-stadt.de.

 

Veranstalter: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt

 

Teilnahme kostenlos, Spende erbeten. Voranmeldung mit Hinterlegung von Kontaktdaten erforderlich.