Stadtspaziergänge - Rund um den Steinplatz

Politik, Wissenschaft, Bildende Kunst, Literatur, Musik und Theater prägen den Steinplatz und seine Umgebung seit rund 150 Jahren. Er ist Mittelpunkt einer lebendigen Kultur-, Bildungs- und Erinnerungslandschaft, die auf Stadtspaziergängen vorgestellt und lesbar gemacht wird. Den Auftakt bildete 2020 eine Erkundung zu politischen Konflikten und der Erinnerungskultur rund um den Steinplatz, gefolgt von einem literarischen Spaziergang. 2021 wird dieses Programmangebot um zwei Stadtführungen zur Wissenschaft und zum Musikleben im Neuen Westen erweitert. Gruppengrößen und Teilnahmebedingungen richten sich nach den jeweils aktuellen Corona-Verordnungen und werden nach Anmeldung mitgeteilt.

Teilnahme kostenlos, Spende erbeten. Anmeldung mit Hinterlegung von Kontaktdaten erforderlich.

Reformer, Rassisten, Revolutionäre – Politik um den Steinplatz

  • Samstag, 14.08.2021, 14 Uhr 
  • Samstag, 04.09.2021, 14 Uhr

Quelle: Michael Bienert

Stadtführung mit Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Steinplatz und Hardenbergstraße tragen die Namen preußischer Reformpolitiker. In der Weimarer Republik wohnte hier Polizeivizepräsident Bernhard Weiss, der gegen den aufkommenden Rechtsradikalismus kämpfte und zur Zielscheibe antisemitischer Propaganda wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden am Steinplatz erste Denkmäler für Opfer des Holocaust und des Stalinismus. Die Hochschule der Künste war in den Nachkriegsjahren Schauplatz heftiger Ost-West-Konflikte. Im Café Steinplatz verliebte sich Rudi Dutschke, die Studentenbewegung machte das Amerika-Haus zum Ziel von Demonstrationen gegen neokoloniale Politik. Vor der Landeszentrale für politische Bildung erinnert ein Denkmal an den Asylbewerber Kemal Altun, der sich 1983 im Verwaltungsgericht das Leben nahm, um nicht an das türkische Militärregime ausgeliefert zu werden. Am Zoologischen Garten stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit der deutschen Hauptstadt. Ein Spaziergang durch 200 Jahre politischer Konflikte.

„Wagt´s doch, Kultur zu haben!“ – Weltliteratur und Theater um den Steinplatz

  • Sonntag, 15.08.2021, 14 Uhr
  • Sonntag, 19.09.2021, 14 Uhr
  • Sonntag, 10.10.2021, 14 Uhr

    Quelle: Archiv Bienert

Stadtführung mit Michael Bienert (Text der Stadt) oder Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Der Plan, einen Bronzeelefanten zu Ehren des Freiherrn von Stein aufzustellen, inspirierte Christian Morgenstern zu seinem Gedicht „Vom Stein-Platz zu Charlottenburg“. Die Gegend gehörte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zum „Industriegebiet der Intelligenz“ um den Kurfürstendamm und war ein beliebter Wohnort von Intellektuellen. So flohen Bertolt Brecht und Helene Weigel 1933 vom „Knie“, dem heutigen Ernst-Reuter-Platz, ins Exil. Das zeitweise von Ferdinand Bruckner geleitete Renaissance-Theater sorgte mit moderner Dramatik für Aufsehen, im selben Haus hatte in der NS-Zeit aber auch die Reichsschrifttumskammer ihren Sitz. Nach dem Krieg machte Walter Höllerer als Literaturprofessor an der TU Berlin den Steinplatz erneut zum Treffpunkt zeitgenössischer Autor*innen aus dem In- und Ausland. Der Buchhändlerkeller, legendäre Kneipen wie die „Dicke Wirtin“ und der „Zwiebelfisch“, Buchhandlungen, Antiquariate und das Schiller-Theater halten die Tradition lebendig.

Ingenieure, Baumeister und Nobelpreisträger – Wissenschaft am Steinplatz

Stadtführung mit Michael Bienert (Text der Stadt) oder Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Seit die Königlich Technische Hochschule in Charlottenburg im Jahr 1884 eröffnet wurde, ist das Gelände nördlich des Steinplatzes ein Großlabor für Tüftler und Forscher. Neben Institutsgebäuden aus verschiedenen Epochen sind auf dem TU-Campus überraschende Zeugen der Berliner Stadtgeschichte wie eine Säule des alten Berliner Doms und Arkaden der Borsigschen Maschinenbaufabrik zu entdecken. Wo um 1930 das Elektronenmikroskop erfunden wurde, geht es heute um Zukunftstechnologien und nachhaltige Stadtentwicklung. In den letzten Jahren begann die Umgestaltung des Campusgeländes um die Hertzallee: Der TU-Campus soll auch für Besucher*innen attraktiver werden, die hier nicht studieren oder arbeiten. Wir schauen uns um!

Swinging Steinplatz – Musik und Bühnenkunst zwischen Hardenberg- und Kantstraße

  • Sonntag, 26.09.2021, 14 Uhr (Premiere)
  • Samstag, 16.10.2021, 14 Uhr

    Quelle: Archiv Bienert

Stadtführung mit Michael Bienert (Text der Stadt) oder Ralph Hoppe (StattReisen Berlin)

Große Klassikinterpreten wie der Geiger Yehudi Menuhin und der Sänger Luciano Pavarotti waren Stammgäste im Hotel am Steinplatz. Aus der seit 1902 an der Fasanenstraße ansässigen Hochschule für Musik ist die größte Fakultät der Universität der Künste hervorgegangen. In der neoromanischen „Burg“, dem Institut für Kirchenmusik, üben Studierende an historischen Orgeln. Die Comedian Harmonists hatten in der Carmerstraße ihr Büro, und im Kino „Delphi“ wurde in den Zwanzigerjahren wild getanzt. Seit 1975 ist das „Quasimodo“ einer der spannendsten Jazzclubs in Berlin. Am Theater des Westens erinnert eine Gedenktafel an die „Wilde Bühne“ der Schauspielerin Trude Hesterberg, die den jungen Brecht als Singer-Songwriter engagierte. Nach Kriegsende fand an der Kantstraße die erste Opernaufführung im zerstörten Berlin statt, heute gehört das Theater des Westens einem niederländischen Musicalkonzern.

Quelle: Michael Bienert

Michael Bienert und Ralph Hoppe leiten seit 30 Jahren thematische Stadtspaziergänge und haben zahlreiche Bücher zur Literatur-, Kultur- und Stadtgeschichte Berlins publiziert.

Mehr unter www.text-der-stadt.de.

    Veranstalter: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt

     

    Teilnahme kostenlos, Spende erbeten. Voranmeldung mit Hinterlegung von Kontaktdaten erforderlich.